Rückblick und Referenz
Rhythmus als Spiegel:
TaKeTiNa im Klanghaus Toggenburg
Im Rahmen einer Weiterbildungsexkursion erlebt das Departement Design & Kunst der ZHdK im Klanghaus Toggenburg, wie rhythmische Körpererfahrung den Blick auf den eigenen Arbeitsalltag verändern kann.
Ein Septembermorgen im Jahr 2025, ein Car voller Dozierender und Mitarbeitender des DDK, Ziel: die Klangwelt Toggenburg. Was als Weiterbildungsexkursion angekündigt ist, wird im Lauf des Tages zu einer Begegnung mit dem eigenen Rhythmus – und mit der Frage, wie wir uns in Gruppen bewegen, ohne uns selbst zu verlieren.
Nach der Ankunft im Klanghaus – einem Gebäude, das selbst wie ein Instrument gebaut ist – führen Raphael Baumann und Daniel Humbel behutsam in die TaKeTiNa-Methode ein. Die Kursleiter schaffen von Beginn an eine Atmosphäre, die Offenheit und Experimentierfreude ermöglicht.
TaKeTiNa nutzt den Körper als Instrument: Schritte, Klatschen, Stimme und Zuhören werden zu gleichzeitigen Aufgaben, die das gewohnte Denken sanft aus dem Takt bringen. In diesem Wechselspiel zwischen «im Rhythmus sein» und «aus dem Rhythmus fallen» öffnet sich ein Erfahrungsraum, der überraschend direkt auf den Arbeitsalltag übertragbar ist.
Ein Beispiel: Nachdem das Schritttempo verdoppelt wurde, machte erst die Rückkehr zu den langsamen Schritten fühlbar, wie schnell das doppelte Tempo tatsächlich war. Eine körperliche Erkenntnis, die eine Teilnehmerin treffend auf den beruflichen Kontext übertrug: Oft spüren wir erst, wie belastet wir waren, nachdem sich die Belastung aufgelöst hat. Der Rhythmus macht sichtbar, was im Alltag unsichtbar bleibt.
Ebenso aufschlussreich war die Herausforderung des gleichzeitigen Tuns – mit den Füssen im Grundrhythmus, mit den Händen in gegenläufigen Bewegungen, dazu Singen und den Anweisungen der Workshopleitenden folgen. Ein Multitasking, das nicht auf Effizienz zielt, sondern auf Wahrnehmung und Gleichzeitigkeit: Wo bin ich noch bei mir? Wo verliere ich mich? Und wie finde ich zurück?
Genau hier berührt TaKeTiNa die Forschungsfrage, die den ganzen Tag begleitete: *Wie gelingt das ewige Pendeln zwischen Individuum und Kollektiv?* Im gemeinsamen Rhythmus entsteht ein Feld, in dem individuelle Freiheit und kollektive Verbundenheit nicht im Widerspruch stehen, sondern einander verstärken. Die Kraft der Gruppe trägt den Einzelnen – und der Ausdruck des Einzelnen bereichert das Ganze.
Eingebettet war der Workshop in einen Tag, der auch Führungen durch das Klanghaus und das Resonanzzentrum Peter Roth umfasste – Orte, an denen Klang nicht nur gehört, sondern körperlich erfahren wird. Das Mittagessen in der Gaststube und ein Spaziergang um die Schwendiseen rundeten den Tag ab und gaben Raum, das Erlebte nachwirken zu lassen.
Karin Wegmann, die den Tag koordinierte, fasst die Erfahrung so zusammen:
«Der TaKeTiNa-Workshop im Klanghaus Toggenburg wurde von Raphael und Daniel sehr sorgfältig eingeführt. Die Kursleiter haben erreicht, dass sich die Teilnehmenden auf das Experiment eingelassen haben, die Stimmung war locker und offen. TaKeTiNa hat interessante Erfahrungen in der Gruppe und individuell ermöglicht, die auf Situationen im Arbeitsalltag übertragen werden können. Z.B. hat nach der Verdoppelung des Schritttempos erst die Rückkehr zu den langsamen Schritten fühlbar gemacht, wie schnell das doppelte Tempo war. Übertragen auf den Arbeitskontext: Oftmals fühlt man erst wie belastet man war, nachdem sich die Belastung aufgelöst hat. Auch die Herausforderung, zu den Schritten gleichzeitig mit den Händen unterschiedliche Bewegungen zu machen, zu singen und den Anweisungen der Workshopleitenden zuzuhören war ein spannendes Multitasking.»
Und genau darin liegt vielleicht die grösste Erkenntnis: Wer sich auf den Rhythmus einlässt, erfährt etwas über sich selbst – nicht durch Nachdenken, sondern durch den Körper.
Kontext: Weiterbildungsexkursion des Departement Design & Kunst, ZHdK | 11. September 2025 | Klanghaus Toggenburg
TaKeTiNa-Leitung: Raphael Baumann und Daniel Humbel
Koordination: Karin Wegmann